Bericht: Die Hälfte der Macht den Frauen – Was bedeutet das eigentlich?

In unserem neuen Grundsatzprogramm fordern wir „Die Hälfte der Macht den Frauen!“ – was damit genau gemeint ist diskutierte Niklas Nüssle, unser Landtagskandidat im Wahlkreis Waldshut gemeinsam mit Ricarda Lang, Frauenpolitische Sprecherin und stv. Bundesvorsitzende der Grünen, Bundestagskandidatin Viktoria Kruse und Alexandra Höfler, unsere Ersatzkandidatin im Wahlkreis Waldshut kürzlich in einem Online-Webinar. Gleichberechtigung und Rollenverteilung hätten durch die Pandemie wieder an Bedeutung gewonnen, sagte Nüssle zu Beginn der Veranstaltung: „Heldinnen des Alltags halten den Laden am Laufen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder in veraltete Strukturen und Muster zurückfallen.“ Ricarda Lang mahnte ebenfalls vor eine Retraditionalisierung der Rollenbilder: „Die Pandemie verschärft, was schon zuvor sichtbar war. Kürzer tritt, wer schon davor in Teilzeit war – und das sind meistens Frauen.“ Lang warf der Bundesregierung einen „gleichstellungspolitischen Tiefschlaf“ vor: „Corona ist eine Nadel ins Luftschloss der Gleichberechtigten Gesellschaft. Wir haben jetzt einen klareren Blick und müssen uns fragen, wie wir zusammenleben wollen.“

Die stv. Bundesvorsitzende der Grünen forderte eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt, bei der Partner sich sowohl Lohnarbeit als auch häusliche Sorgearbeit aufteilten. Eine mögliche Maßnahme dazu sei etwa ein Lohngleichheitsgesetz. „Unser Wohlstand beruht auf der unbezahlten Arbeit von Frauen“, betonte Lang: „Was die Hälfte der Macht den Frauen bedeutet, ist keine abstrakte Frage, sondern eine Frage, die uns jeden Tag im Alltag begegnet, an der Supermarktkasse, in der Schule, auf der Arbeit und zu Hause.“

Bundestagskandidatin Viktoria Kruse beklagte, dass häusliche Gewalt gegen Frauen und Kindern in der Pandemie zugenommen hätte und zudem häufiger unentdeckt bliebe: „Wenn Kinder von Gewalt bedroht sind und nicht zur Schule gehen, kann niemand eingreifen – wenn Frauen nicht zur Arbeit gehen können, erfahren sie von dieser Seite keine Hilfe.“ Jetzt dürfe nicht der Zeitpunkt für Sozialeinsparungen sein. „Wir grüne haben in unserem Grundsatzprogramm wichtige Punkte dazu festgehalten. Frauenpolitik ist kein intellektuelles Thema für Großstädtler – gerade im ländlichen Raum ist das ein großes Problem und das Netz an Frauenhäusern sehr löchrig.“

Landtagskandidat Nüssle betonte zudem, dass Frauen in politischen Mandaten unterrepräsentiert seien: „Im Landtag sitzen nur zu einem Viertel Frauen. In den Kreistagen sind es nur 22 Prozent. Auch im Waldshuter Kreistag sind es nur 23 Prozent – insgesamt sind es 12 Frauen. Die Hälfte davon sind bei uns Grünen. Wenn die Parlamente ein Spiegel der Gesellschaft sein sollen, muss sich das dringend ändern.“ Quoten könnten dabei helfen, die Grundlage zu schaffen, damit Menschen geschlechtsunabhängig unter gleichen Bedingungen in politische Wahlen und Mandate starten könnten.

Ersatzkandidatin Höfler machte sich für eine offenere Kommunikation von Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch stark: „Zu jedem anderen Gesundheitsthema kann man sich ganz einfach von zu Hause aus informieren. Bei Abtreibungen ist das schwieriger“, erklärte Höfler: „Das ist nicht vereinbar mit dem Recht über seinen eigenen Körper zu bestimmen. Da braucht es uns Grüne um die Stellschrauben zu drehen.“

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